
Er verbindet Gravität und Grazie, er versteht es virtuos, gewichtigen Materialien eine Aura feiner Ironie zu verleihen, und unentwegt ist er unterwegs, den Horizont seiner künstlerischen Welterfahrung zu erweitern – in der Skulptur, in der Malerei und der Objektgestaltung in inszenierter Kohabitation mit Architektur. Johannes Beccer ist gebürtiger Niederrheiner, lebt seit langem an der Côte d’Azur, und seine freie Existenz an der mediterranen Sonnenseite spiegelt sich in seinem auch künstlerischen Credo zu Lebensfreude und hintergründigem Humor: „Ich möchte nicht, dass die Leute weinen.“
Beccer, der Beuys-Schüler, ist ein intensiver Beobachter, ein immerfort Suchender (und Findender), der über seine Kunst sagt: „Meine Arbeiten reflektieren und reproduzieren in gewisser Weise das Leben um mich herum.“ Seine Ausdruckswelt erscheint oft spielerisch und manifestiert sich facettenreich – in Holz, Stein, Stahl, Bronze und Beton. Und natürlich in den vielen Farben seiner Malerei. Oft ist es ein Ziel des Künstlers, „auf einfachste Art und Weise Materialien zu verbinden.“ Doch ihm kommt es darauf an, dass solche Liierungen gar nicht sichtbar sind und somit die Wahrnehmung einer anscheinend natürlichen, organischen Verbindung entsteht. Trompe l’oeil in der Skulptur.
Kenner seiner Kunst sehen Anklänge an Futurismus und farbe-feiernden Fauvismus, auch ans Bauhaus, doch in allem bleibt Johannes Beccer ein von vielen Erfahrungen und Einflüssen inspirierter Künstler sui generis. „Im Grunde beeinflussen mich alle Fragen, die man sich von morgens bis abends stellt.“
Voilà, c’est la vie, das Menschsein.
Text: Yussuf Birker